Die Brandkatastrophe von 1827

In der Nacht vom 22. September, vor dem 15ten Trinitatis, entstand im Hause des Leinenwebers Busse, unmittelbar am Pfarrhause,

welches doch durch Gottes Gnade erhalten wurde,plötzlich eine Feuersbrunst,welche sich äußerst schnell verbreitete,

17 Häuser in Asche verwandelte und den Einwohnern ihre Vorräte an Waren, Korn und Futter, Betten, Hausgeräte,Werkzeuge zum Erwerb der Nahrung raubte.

Vom schnellen Einsturz eines Gebäudes wurden sogar sechs Menschen übereilt und verloren das Leben, nämlich

der Schuster Christoph Häls,50Jahre alt (Ehemann),

der Schneider Johann Christian Deter, 41 Jahre alt (Ehemann),

der Tischler Joachim Heinrich Pätzmann, 41 Jahre alt (Ehemann),

des vorigen Ehefrau Marie Elisabeth Borchers, 40 Jahre alt,

der Häusler Jürgen Christoph Schulz, 37 Jahre und 9 Monate alt (Ehemann),

der Knecht Carl Friedrich Plaaske, 23 Jahre alt (Jungeselle).

Alle diese waren rechtschaffene,fleißige Leute und gute Christen.

Durch dieses Unglück entstanden 3 Witwen und 14 vater- und zum teil mutterlose Weisen.

An den Folgen des Brandes starb kurz darauf,am 14.Oktober,noch ein weiterer Einwohner:der den Flammen sehr beschädigt entsprungene Schneider Johann Zarnitz,52Jahre alt.

Es ist nicht lückenlos überliefert, welche Häuser damals zerstört wurden.

Ganz sicher lag der Schwerpunkt im Mittelabschnitt der Langen Straße.

Die begradigte Häuserflucht zwischen den Hausnummern 10 und 19 ist nachweislich erst eine Folge des Wiederaufbaus.

Das Feuer muss sich von seinem Ausgangspunkt im Hause Kirchstraße 1 bei entsprechender Windrichtung nach Westen bzw. Nordwesten in die Lange Straße ausgebreitet haben;denn das Pfarrhaus (Nr. 2) samt der Pfarrscheune, der Wolterstorfsche Hof (Nr.3) und das Schulhaus gegenüber blieben von den Flammen verschont .

Wahrscheinlich durch Funkenflug fing jedoch der Kirchturm Feuer. Auch der Kirchturm verbrannte in dieser jammervollen Nacht, schrieb Pastor Müller ins Kirchenbuch .

Doch beschränkten sich die Schäden nicht auf den Turm: Bei dem Brande zu Clenze wurde das Kirchendach fast gänzlich ruiniert, selbst die Decke litt durch das eindringende Wasser der Feuerspritze bedeutend, berichtete der Kirchenjurat Wolterstorf an die oberste Kirchenbehörde.

Den Brand von 1827 erlebten die Zeitgenossen in dem gerade zaghaft einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung als verheerende Katastrophe und schwerem Rückschlag.

Doch darf die negative Wirkung nicht überschätzt werden.

Zum Glück waren die meisten Gebäude versichert. Immerhin gingen fast 30.000 Reichstaler Brandkassengelder und eine sicher bedeutende Menge an Sach- und Geldspenden in den Wiederaufbau. Ein solcher Kapitalzufluss kam nicht nur den Handwerkszweigen zugute, die unmittelbar am Wiederaufbau beteiligt waren, sondern dem Wirtschaftsleben insgesamt.

Das heutige Ortsbild mit seinen stattlichen, eher städtisch als ländlich anmutenden Bürgerhäusern hat seine Prägung im wesentlichen erst im Gefolge des grossen Brandes erhalten.

Am härtesten betroffen waren – wie so oft bei solchen Katastrophen – die kleinen Leute: die Häuslinge oder Mietsbewohner. Ihre beweglichen Güter, d.h. Handwerkszeug und Hausrat, bildeten ihr einziges Vermögen – und versichert waren sie dafür nicht.

Zudem fehlte es in der Wiederaufbauphase an Mietwohnungen.

Mehrere Häuslingsfamilien bauten sich darum auf Erbpachtgrundstücken der Kirche eigene Häuser.

Auf diese Weise entstand die Kapellenstraße als erste planmäßige Ortserweiterung.

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